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“Einführung:
KARELIEN – Ein unbekanntes Kanuparadies
Die an Russland grenzende Provinz Karelien bietet viele schöne und einsame Wasserstrecken. Viele dieser Routen wurden in früheren Zeiten als Flößerrouten genutzt. Auch der Transport des in den Wäldern gewonnenen Teers spielte lange Zeit eine wichtige Rolle auf den karelischen Wasserwegen. Häufig werden die Routen durch Seen unterbrochen, bevor es wieder auf einen Flußabschnitt geht. Also, alles in allem, sehr abwechslungsreich.
Von Tagestouren bis zu Touren von einer Woche Länge ist alles möglich.
Die Touren können auch abschnittsweise gefahren werden. Es gibt immer wieder eine Straße oder einen Waldweg, wo die Tour unterbrochen werden kann. Ein besonderer Tipp ist, eine Hütte in der Nähe zu mieten und dann die Touren zu fahren. Man kann sich abends schön am Feuer und in der Sauna von den Strapazen des Tages erholen, und ein Regentag kann auch mal ausgesessen oder zu anderweitigen Aktivitäten genutzt werden.
Die hier vorgestellten Paddelrouten sind:
Jogunjoki 68 km
Lieksanjoki 50 km
Vaikkojoki 93 km
Viekijoki 40 km
Der Jogunjoki ist ein Wildwasserfluß mit 38 Stromschnellen. 30 davon WW Stufe I, 7 sind WW II und eine WW III. Vor allem bei Hochwasser sind die Schnellen sehr rasant – besonders die Schnelle Niskakoski im Hiidenportti Canyon hat es dann in sich.
Der Lieksanjoki führt von dem kleinen Weiler Matoniemi, direkt an der Sperrzone zu Russland gelegen, zuerst sehr gemächlich den Lieksanjoki hinab in den Ruunaanjärvi. Am Ende des Sees wartet, nach einem 180 Grad Richtungswechsel, ein gänzlich anderes Szenario: Die Ruunaa Schnellen.
Auf 31 km kommen sechs Stromschnellen WW IV. Sehr rasant und mit garantierter Dusche. Vorsicht, hier verkehren auch große Tou-ristenboote die Stromschnellen hinab. Dies ist alles Teil des Ruunaa Naturschutzgebietes mit gut ausgebauter Infrastruktur. Nach den Stromschnellen geht es dann wieder gemächlicher auf dem Naarajoki, Mukajoki der Stadt Lieksa entgegen.
Der Vaikkojoki ist eine alte Flösserroute, heute allerdings nicht mehr als solche benutzt, und die Natur holt sich ihren Fluß wieder zurück. Hier gibt es 31 mehr oder weniger starke Stromschnellen. Bei höherem Wasserstand werden drei Schnellen als WW III eingestuft, 14 Schnellen in WW II. Der Rest ist manchmal als solche gar nicht erkennbar, außer daß das Wasser einige Wellen wirft. Die Tour führt durch unbesiedeltes Gebiet. Moore, Wälder und Seen wechseln sich ab. Hier gibt es auch noch Wölfe und Bären.
Der Viekijoki, ca. 15 km östlich von Nurmes gelegen, ist ein ganz ruhiger Wildnisfluß, der zwischen den Wäldern dahinmäandert. Durch viele Biegungen und Windungen bringt es der Viekijoki auf 40 km Wasserlauf, und auf der Straße sind es lediglich 12 km. Leichte Stromschnellen, aber öfter umgestürzte Bäume, die den Fluß blockieren.
Es gibt sehr schöne Wanderstrecken in dieser Gegend. Sie sollen nicht unerwähnt bleiben, vor allem die Strecke Karhunpolku über 135 km vom Patvinsuo Nationalpark zur Teljo-Brücke bei Kuhmo. Außerdem ist der 90 km lange Kolinpolku-Wanderweg von Joensuu nach Koli am Pielinensee erwähnenswert. Längs der Wege sind zahlreiche Feuerstellen und Schutzplätze angelegt.
Und noch etwas muß erwähnt werden: In den letzten Jahren ist die Zahl der Braunbären in diesem Gebiet stark angestiegen. Gerade in Karelien hat sich ihre Zahl enorm vergrößert, so daß sie wieder bejagt werden. Es sind äußert scheue Tiere, die einer Begegnung mit dem Menschen immer aus dem Weg gehen. Meist machen sie sich schon lange aus dem Staub bevor wir sie überhaupt erst bemerken. Trotzdem sollten einige wenige Vorsichtsmaßregeln beachtet werden.
Regel 1: Essenreste verbrennen oder in sicheren luftdichten Behältern verstauen. Vorräte nicht im Zelt aufbewahren. Vorräte ebenfalls in luftdichten Behältern aufbewahren.
Regel 2: Sich keinem Bärenjungen nähern, auch wenn sie noch so putzig und drollig erscheinen. Mamabär ist garantiert nicht weit weg. Und die kennt keinen Spaß!
Regel 3: Sollte es doch zu einer Begegnung mit einem Bären kommen, dann ruhig bleiben und beruhigend mit dem Tier sprechen. Keine hastigen Bewegungen und langsam rückwärts gehend aus der Gefahrenzone entfernen. Dem Bären einen Fluchtweg offen lassen, ihn nicht in die Enge treiben. Evtl. hilft ein Antibärenspray vom Outdoorausrüster. Der Autor hat aber keine Erfahrung damit.
Ich möchte hier auf keinen Fall Angst oder Besorgnis schüren, aber es ist in den letzten Jahren in Finnland zu einigen Todesfällen durch Bären gekommen. Aus eigener Erfahrung in Kanada kann ich allerdings sagen, daß die Bären, wenn man sich wie oben beschrieben verhält, sehr schnell die Flucht ergreifen.” |